Ein Tag in der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere

6.20 Uhr Station

Die Helferinnen beginnen den Tag auf der Station. Hunde werden ausgeführt, Boxen gereinigt und die Tiere mit Medikamenten und Futter versorgt.

7.45 Uhr Visite

Das Tierärzteteam trifft sich zu einer Dienstbesprechung. Stationäre Neuzugänge werden vorgestellt und deren Therapieplan diskutiert, der aktuelle OP-Plan besprochen und die Einteilung der Mitarbeiter vorgenommen. Auf dem heutigen OP-Plan stehen eine Operation zur Umstellung des Schienbeinplateaus, auch Tibia Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) genannt, zur Therapie einer Kreuzbandruptur, die endoskopische Kastration einer Hündin, eine Zahnsanierung sowie zwei Kaninchen zur Kastration.

8.00 Uhr Station

Der Stationstierarzt beginnt mit der Untersuchung und Behandlung der stationären Patienten. Während sich der Allgemeinzustand von Kater „Max“, ein Kater mit Blasensteinen, im Vergleich zum Vortag verschlechtert hat, ist Dobermann „Arthus“, der am Vortag aufgrund einer Magendrehung notoperiert wurde, schon wieder deutlich munterer. Denn es ist ihm gelungen, sich seinen Venenkatheter zu ziehen, sich trotz Halskragen an seiner OP-Wunde zu schaffen zu machen, und angriffslustig knurren kann er auch schon wieder. Auch Kater „Fauchi“, ein Kater mit Diabetes, bei dem heute eine Blutentnahme zur Kontrolle des Glukosespiegels ansteht, sieht schon sehr viel besser aus.

8.00 Uhr OP 1 und OP 2

Die ersten OP-Patienten, ein Berner-Sennenhund mit Kreuzbandruptur und eine Golden Retriever Hündin zur endoskopischen Kastration, werden in Narkose gelegt, intubiert und für die Operationen vorbereitet. Im Zahnraum wird Katze „Tinka“ auf ihre Zahnsanierung vorbereitet.

08.00 -13.30 Uhr Terminsprechstunde läuft

Während die TPLO im OP 1 beendet wird halten die anderen Tierärzte bereits seit 8.30 Uhr die Terminsprechstunde ab. Auch die ersten Besitzer der stationären Patienten rufen an, um sich nach dem Befinden ihrer Tiere zu erkundigen.

10.20 Notfall

Ein Jack Russell Terrier, der soeben von einem Auto angefahren wurde, wird in den Behandlungsraum getragen. Die blassen Schleimhäute, die verzögerte kapillare Füllungszeit und der schwache Puls deuten darauf hin, dass sich der Hund im Schock befindet. Sein Bauch ist angespannt und beim Durchtasten schmerzhaft. Sofort wird ein Venenzugang gelegt, dem Volumenmangel mit Hilfe von Infusionen entgegengewirkt, sowie Notfallmedikamente intravenös verabreicht. Ein in der Zwischenzeit angefertigtes Blutbild zeigt eine durch Blutverlust bedingte Anämie. Sofort nachdem sich der Hund unter der Schocktherapie stabilisiert hat, wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die Ursache für den dramatischen Blutverlust zu erkennen: ein lebensbedrohlicher Milzriss. Der Jack Russel Terrier wird sofort in den OP gebracht. Ein Tierarzt scheidet aus der laufenden Sprechstunde aus, um die Notoperation durchzuführen. Dadurch ist es unvermeidbar, dass sich die Wartezeit für die Patientenbesitzer im Wartezimmer verlängert.

11.45 Uhr OP 2

Kaninchen „Fred“ wird für die anstehende Kastration in Narkose gelegt.

11.45 Uhr

Die Versorgung der stationären Patienten im Rahmen der „Mittagsrunde“ beginnt, d.h. die Hunde werden ausgeführt, die Boxen gereinigt, die Tiere gefüttert und mit Medikamenten versorgt. Manchmal ist ein Verbandswechsel, eine Kontrolle der Blutwerte, eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung notwendig.

Insbesondere gilt es, die OP-Räume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Doch wie sieht es hier aus? In der OP Vorbereitung liegen angebrochene Medikamentenfläschchen, benutzte Trachealtuben, Laryngoskope, Lagerungskissen, Spritzen und Kanülen, sowie andere Einmalartikel. Der Wäschekorb mit der OP-Wäsche quillt über. Vier Tierarzthelferinnen sind damit beschäftigt Verbrauchsmaterialien zu entsorgen, medizinische Instrumente zu reinigen, zu desinfizieren, auf Vollständigkeit zu überprüfen, zu ordnen, zu verpacken und schließlich zu autoklavieren. Die OP-Wäsche muss gewaschen, getrocknet, verpackt und schließlich sterilisiert werden. Medikamente, Spritzen, Kanülen, Skalpelle und Einmalartikel müssen aufgefüllt werden. Schließlich gilt es die OP Tische und die Böden zu reinigen und zu desinfizieren. Kurz: Die OP-Räume sind wieder in hygienisch einwandfreien Zustand zu versetzen, um zeitnah für die nächste OP bereit zu sein.

Auch Grundreinigung und Desinfektion der weiteren Klinikräume werden jetzt durchgeführt.

13.30-14.30 Uhr Visite

Die Tierärzte halten die Nachmittagsvisite bei den stationären Patienten ab und legen neue Behandlungsstrategien fest. Auch Entlassungen von Patienten werden vorbereitet.

14.45 Uhr OP 2

Mittlerweile ist die Kastration der Kaninchen „Fred“ und Karl“ abgeschlossen.Der nächste Patient mit einer Knochenfraktur, die Überweisung eines Haustierarztes wird zur OP vorbereitet. 

14.30 - 19.30 Uhr Terminsprechstunde

Die Terminsprechstunde in den verschiedenen Fachgebieten verläuft ausnahmsweise ohne besondere Zwischenfälle.

20.00 Uhr Station

Die letzten Patienten sind behandelt. Nun stehen die abendliche Betreuung der stationären Patienten, sowie die Aufstellung des Therapieplanes für den morgigen Tag an. Danach ist es an der Zeit Telefonate mit Kollegen und Patienten-Besitzern zu führen, sowie Rücküberweisungen zu schreiben. Einige Neuzugänge sind auch zu besprechen und für die Nacht vorzubereiten.

20.15 Uhr Notdienst

Ein Notfall! Ein Hund mit einer tiefen Bißverletzung trifft ein, die sofort versorgt werden muss.

22.45 Uhr Telefon

Das Telefon klingelt. Eine Cavalier King Charles Hündin, die nach der Geburt des ersten Welpen seit 2 Stunden keinerlei Wehentätigkeit mehr zeigt, obwohl sich noch weitere Welpen in der Gebärmutter befinden müssen.

23.15 Uhr Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung bestätigt, dass sich noch drei weitere vitale Welpen im Mutterleib befinden. Der nachtdiensthabende Tierarzt alarmiert das OP Team. Keine 20 Minuten später beginnt die OP.

00.45 Uhr OP

Der Kaiserschnitt verlief komplikationslos und die Hündin kann mit den Welpen nach Hause entlassen werden.

03.25 Uhr Telefon

Der diensthabende Tierarzt wird unsanft aus dem Tiefschlaf geweckt...

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